Ratgeber · Therapie verstehen

Krankengymnastik am Gerät: der Unterschied zur normalen Krankengymnastik

Normale Krankengymnastik ist eine Einzelbehandlung am Therapeuten mit einer Regelbehandlungszeit von 15 bis 25 Minuten. Krankengymnastik am Gerät ist angeleitetes Training an medizinischen Trainingsgeräten über 60 Minuten, bei dem ein Therapeut höchstens drei Patienten gleichzeitig betreut. Die Praxis braucht dafür eine eigene Kassenzulassung.

  • Verfasst von: Redaktion FPZ Rückentherapie Halle · Therapeutisches Team
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Was unterscheidet Krankengymnastik am Gerät von normaler Krankengymnastik?

Der Unterschied liegt in der Zeit, im Werkzeug und im Betreuungsschlüssel. Normale Krankengymnastik ist eine Einzelbehandlung mit 15 bis 25 Minuten Regelbehandlungszeit, meist auf der Behandlungsbank. Krankengymnastik am Gerät dauert 60 Minuten und findet an Seilzug- und Sequenztrainingsgeräten statt, unter Anleitung und ständiger Aufsicht.

Beide Leistungen stehen in derselben Liste: der Leistungsbeschreibung als Anlage 1 zum Vertrag nach Paragraf 125 Absatz 1 SGB V, den der GKV-Spitzenverband mit den Berufsverbänden geschlossen hat. Dort ist KG-Gerät als gerätegestützte Krankengymnastik an Seilzug- und Sequenztrainingsgeräten unter Berücksichtigung der Trainingslehre beschrieben. Der letzte Halbsatz ist der eigentliche Unterschied. Trainingslehre bedeutet Sätze, Wiederholungen, definierte Widerstände und eine geplante Steigerung über Wochen - nicht eine Übung, die sich heute gut anfühlt.

Der zweite Unterschied steht ebenfalls in der Leistungsbeschreibung: KG-Gerät ist eine parallele Einzelbehandlung von höchstens drei Patienten gleichzeitig. Sie trainieren also nicht allein im Raum, aber der Therapeut hat nie mehr als zwei weitere Personen im Blick. Die Patienten müssen dabei nicht zur selben Minute anfangen. Bei der normalen Krankengymnastik gehört die gesamte Behandlungszeit einer Person.

Praktisch sieht eine Einheit so aus: Aufwärmen, danach ein Gerätezirkel nach einem individuell erstellten Behandlungsplan, dazwischen Korrektur der Bewegungsausführung und Anpassung der Widerstände. Jede Einstellung wird dokumentiert, damit die nächste Einheit dort ansetzt, wo die letzte aufgehört hat. Diese Dokumentation trennt medizinisches Aufbautraining vom Training im Fitnessstudio: Dort fehlen Verordnung, Befundaufnahme und die Aufsicht durch eine Therapeutin oder einen Therapeuten.

MerkmalKrankengymnastik (KG)Krankengymnastik am Gerät (KGG)
Regelbehandlungszeit15 bis 25 Minuten60 Minuten
Betreuungeine Personbis zu drei parallel
MittelHände, Bank, KleingeräteSeilzug- und Sequenztrainingsgeräte
Zulassung der PraxisGrundzulassungzusätzliche Zulassung nötig

Beides schließt sich nicht aus. Häufig steht am Anfang die manuelle und krankengymnastische Behandlung, weil Beweglichkeit und Schmerz erst in einen Bereich müssen, in dem Belastung überhaupt sinnvoll ist. Erst danach trägt das Training.

Warum braucht eine Praxis für Krankengymnastik am Gerät eine eigene Zulassung?

Weil die Krankenkassen an KG-Gerät Anforderungen an Räume, Geräte und Qualifikation knüpfen, die über die normale Praxiszulassung hinausgehen. Eine Physiotherapiepraxis darf KG-Gerät erst abrechnen, wenn sie eine Zulassungserweiterung besitzt. Ohne diese Erweiterung steht die Leistung nicht zur Verfügung, auch wenn Geräte im Raum stehen.

Gefordert wird eine gesonderte Trainingsfläche - die Zulassungsanforderungen der Rahmenverträge nach Paragraf 125 SGB V nennen in der Regel mindestens 30 Quadratmeter, zusätzlich zur übrigen Praxisfläche. Dazu kommt eine festgelegte Grundausstattung, unter anderem Seilzugapparate und Sequenztrainingsgeräte für die großen Muskelgruppen. Alle Geräte müssen dem Medizinprodukterecht entsprechen, eine CE-Kennzeichnung tragen und regelmäßig gewartet werden.

Die dritte Anforderung betrifft die Menschen, nicht die Technik. KG-Gerät ist eine Zertifikatsposition: Abrechnen darf nur, wer einen anerkannten Zertifikatskurs absolviert hat. Diese Kurse umfassen 40 Unterrichtseinheiten und richten sich nach Anlage 3 zu den Rahmenempfehlungen nach Paragraf 125 Absatz 1 SGB V.

Für Sie als Patientin oder Patient hat das eine praktische Folge: Ein Rezept über KG-Gerät können Sie nicht in jeder Physiotherapiepraxis einlösen. Fragen Sie vor der Terminvereinbarung, ob die Praxis die Zulassung für KG-Gerät hat. Das erspart den Weg und schützt die Frist auf dem Rezept.

Wie viele Einheiten Krankengymnastik am Gerät verordnet der Arzt?

Der Heilmittelkatalog des Gemeinsamen Bundesausschusses nennt für die Diagnosegruppen Wirbelsäule (WS) und Extremitäten (EX) eine Höchstmenge von bis zu sechs Einheiten je Verordnung. Die orientierende Behandlungsmenge liegt bei bis zu 18 Einheiten je Behandlungsfall, die empfohlene Frequenz bei ein- bis dreimal wöchentlich.

Diese beiden Zahlen werden oft verwechselt. Die Höchstmenge begrenzt, was auf ein einzelnes Rezept passt. Die orientierende Behandlungsmenge sagt, mit wie vielen Einheiten das Behandlungsziel im gesamten Behandlungsfall erreicht werden soll. Drei Verordnungen über je sechs Einheiten sind also der Normalweg zu 18 Einheiten, nicht eine Ausnahme.

Die frühere Verordnung außerhalb des Regelfalls, für die eine Genehmigung der Kasse nötig sein konnte, wurde zum 01.01.2021 abgeschafft. An ihre Stelle sind die orientierende Behandlungsmenge und der langfristige Heilmittelbedarf getreten. Die BARMER stellt in ihrer Information für Leistungserbringer klar: Bei medizinischer Notwendigkeit darf von der orientierenden Behandlungsmenge abgewichen werden, nach oben wie nach unten, und die Kasse muss das nicht genehmigen.

Wer nach einer Dauerverordnung sucht, sucht in Wahrheit nach dem langfristigen Heilmittelbedarf. Den gibt es bei bestimmten schweren und dauerhaften Diagnosen, er wird von der Krankenkasse festgestellt, und der Verordnungszeitraum umfasst dann höchstens zwölf Wochen je Verordnung. Ein unbefristetes Rezept über Krankengymnastik am Gerät kennt das System nicht.

Wie lange gilt das Rezept und was zahlen Sie dazu?

Die Behandlung muss innerhalb von 28 Kalendertagen nach dem Ausstellungsdatum beginnen, sonst verliert die Verordnung ihre Gültigkeit. Das regelt Paragraf 15 der Heilmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses. Hat der Arzt einen dringlichen Behandlungsbedarf vermerkt, verkürzt sich die Frist auf 14 Tage.

Die Fristen und Beträge im Überblick:

  • 28 Kalendertage bis zum ersten Termin, sofern der Arzt kein späteres Behandlungsdatum angibt
  • 14 Kalendertage, wenn auf der Verordnung ein dringlicher Behandlungsbedarf steht
  • höchstens 14 Kalendertage Pause zwischen zwei Terminen, längere Unterbrechungen muss die Praxis begründen
  • 10 Prozent der Behandlungskosten plus 10 Euro je Verordnung als Zuzahlung ab 18 Jahren
  • Belastungsgrenze 2 Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen, 1 Prozent bei schwerwiegend chronisch Kranken

Die 10 Euro fallen je Verordnung an, nicht je Termin. Bei drei Folgerezepten über je sechs Einheiten zahlen Sie die Pauschale dreimal. Grundlage sind Paragraf 61 und Paragraf 62 SGB V. Wer die Belastungsgrenze im Kalenderjahr erreicht, beantragt bei seiner Kasse eine Befreiung - Quittungen also aufheben.

Ein Punkt wird oft übersehen: Die Frist läuft ab dem Ausstellungsdatum, nicht ab dem Tag, an dem Sie das Rezept in der Arztpraxis abholen. Liegt die Verordnung eine Woche im Portemonnaie, sind von den 28 Tagen bereits sieben verbraucht. Bei voller Terminlage entscheidet dieser Vorlauf darüber, ob die Verordnung noch trägt.

Für wen ist Krankengymnastik am Gerät die richtige Verordnung?

Krankengymnastik am Gerät kommt in Betracht, wenn ein muskuläres Defizit im Vordergrund steht: nach einer Operation, nach einer Verletzung, bei anhaltenden Beschwerden an Wirbelsäule oder Gelenken. Die Entscheidung trifft die verordnende Ärztin oder der verordnende Arzt nach Diagnose und Leitsymptomatik, nicht die Praxis und nicht der Patient.

Die Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz nennt aktive Bewegungstherapie die empfohlene Basismaßnahme beim chronischen Kreuzschmerz; Bettruhe wird ausdrücklich nicht empfohlen. KG-Gerät ist eine Form, diese Empfehlung mit messbarer Dosierung umzusetzen - mit Gewichten, die man aufschreiben und über Wochen steigern kann.

Was KG-Gerät verlangt: Sie müssen belastbar genug sein, um an Geräten zu arbeiten, und Sie müssen ein- bis zweimal pro Woche über mehrere Wochen erscheinen. Sechs Einheiten in verteilten Abständen bringen weniger als sechs Einheiten in einem verlässlichen Takt. Wer den Termin nicht regelmäßig halten kann, sollte das vor der Verordnung ansprechen - auch wegen der 14-Tage-Regel bei Unterbrechungen.

Nach einer Operation kommt die Freigabe zur Belastung vom Operateur, nicht aus der Physiotherapie. Bringen Sie den Operationsbericht oder die Nachbehandlungsempfehlung zum ersten Termin mit, dann lassen sich Widerstände und Bewegungsumfang von Beginn an im erlaubten Rahmen halten. Gleiches gilt für Begleiterkrankungen an Herz und Kreislauf: Sie gehören in die Befundaufnahme, bevor das erste Gewicht eingestellt wird.

Was tun, wenn die Verordnung ausgelaufen ist?

Mit der letzten verordneten Einheit endet die Kassenleistung, nicht der Trainingsbedarf. Es gibt zwei Wege: eine neue ärztliche Verordnung, wenn die Indikation fortbesteht, oder der Wechsel in eine medizinische Trainingstherapie als Selbstzahlerleistung. Beides sollte vor der letzten Einheit besprochen sein.

Der Grund ist einfach: Muskuläre Anpassungen brauchen einen wiederkehrenden Reiz. Eine Pause von mehreren Monaten zwischen zwei Rezepten setzt einen Teil dessen zurück, was in den Einheiten davor aufgebaut wurde. Wer weiter trainiert, startet beim nächsten Rezept nicht wieder am Anfang.

Für den Übergang gibt es auch strukturierte Programme. Die FPZ Rückentherapie arbeitet mit einer Eingangsanalyse von rund 90 Minuten, einem Aufbauprogramm von in der Regel 24 Einheiten à 60 Minuten über etwa drei Monate und einer Abschlussanalyse mit erneuter Kraftmessung. Danach folgt ein weiterführendes Programm mit einer Einheit à 60 Minuten alle 5 bis 10 Tage. Wichtig zur Einordnung: Die FPZ Rückentherapie ist keine Präventionsleistung nach Paragraf 20 SGB V, sie setzt Diagnose und ärztliche Verordnung voraus. Die Kostenübernahme läuft über Verträge einzelner Krankenkassen; AOK, TK und DAK gehören nicht zu den gelisteten Kostenträgern. Fragen Sie deshalb vorab bei Ihrer Kasse nach.

Was das für Sie in Halle bedeutet

FPZ-Rückentherapie Halle führt Krankengymnastik am Gerät im Leistungsspektrum, zusammen mit Krankengymnastik, Manueller Therapie, Manueller Lymphdrainage und der Erweiterten Ambulanten Physiotherapie. Ein Therapeut betreut dabei höchstens drei Patienten gleichzeitig - genau der Rahmen, den die Leistungsbeschreibung für KG-Gerät vorsieht.

Das Team arbeitet seit über 15 Jahren in Halle, umfasst über 20 Therapeutinnen und Therapeuten und hat über 25.000 Patienten begleitet. Im Haus sitzt zudem der Kooperationsarzt Christian Hellmann, Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin. Die Praxis liegt in der Leipziger Straße 90-92 in 06108 Halle (Saale), im Ritterhaus in der 3. Etage, erreichbar über Aufzug TH3.

Wenn Sie eine Verordnung über KG-Gerät in der Hand halten, zählt die 28-Tage-Frist ab dem Ausstellungsdatum. Rufen Sie deshalb am selben oder am nächsten Tag an: 0345 29 89 633, Montag - Freitag von 07:00 - 21:00 Uhr, ausschließlich nach Terminabsprache. Wer lieber schreibt, erreicht das Team unter halle@fpz-rueckentherapie.de. Halten Sie die Verordnung und Ihre Versichertenkarte bereit, dann lässt sich am Telefon direkt klären, ob ein Takt von ein- bis zweimal pro Woche in Ihren Wochenplan passt.

Häufige Fragen dazu

Wie oft darf Krankengymnastik am Gerät verschrieben werden?

Der Heilmittelkatalog des Gemeinsamen Bundesausschusses nennt für die Diagnosegruppen Wirbelsäule und Extremitäten bis zu sechs Einheiten je Verordnung und eine orientierende Behandlungsmenge von bis zu 18 Einheiten je Behandlungsfall. Bei medizinischer Notwendigkeit darf der Arzt davon abweichen und mehr verordnen, ohne dass die Kasse das genehmigen muss.

Wie lange dauert eine Einheit Krankengymnastik am Gerät?

Die Regelbehandlungszeit für Krankengymnastik am Gerät beträgt 60 Minuten je Patient, so steht es in der Leistungsbeschreibung zum Vertrag nach Paragraf 125 SGB V. Die normale Krankengymnastik als Einzelbehandlung liegt dort bei 15 bis 25 Minuten. In der Stunde arbeiten Sie an mehreren Geräten nacheinander.

Was kostet Krankengymnastik am Gerät als Kassenpatient?

Gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren zahlen nach Paragraf 61 SGB V zehn Prozent der Behandlungskosten plus 10 Euro je Verordnung zu. Der Betrag hängt an der Verordnung, nicht an der einzelnen Einheit. Wer die Belastungsgrenze von zwei Prozent des Bruttoeinkommens erreicht, kann sich befreien lassen.

Was passiert, wenn das Rezept für Krankengymnastik am Gerät ausläuft?

Mit der letzten Einheit endet die Kassenleistung. Wer weiter an den Geräten trainieren will, wechselt in die medizinische Trainingstherapie als Selbstzahlerleistung oder braucht eine neue ärztliche Verordnung. Ohne Verordnung ist kein Heilmittel abrechenbar - das gilt auch für die FPZ Rückentherapie. Die Praxis rechnet dann direkt mit Ihnen ab.

Zur Einordnung: Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung und keine individuelle Befunderhebung. Was in Ihrem Fall sinnvoll ist, klären wir im Gespräch und auf Grundlage Ihrer Verordnung.

Verfasst von Redaktion FPZ Rückentherapie Halle, Therapeutisches Team. Zuletzt geprüft am 28. August 2026.

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